Männer tunen - Frauen tuns auch
Es ist mal wieder so weit. Es ist Sommer und überall wummerts, röhrts und bretterts in und durch die Straßen - getunte Autos sind unterwegs. Komisch, dass die einem nie im Winter auffallen, oder stehen sie da geölt, gepudert und gewindelt in den Garagen?
Ich fahre einen Kombi, einen Honda. Da wummert, röhrt und brettert nix, da klappert und klirrt es höchstens mal, denn der Jüngste ist er auch nicht mehr. Ich mag ihn trotzdem.
Aber manchmal ...also manchmal, wenn so ein chromblitzendes, tiefergelegtes Geschoss an mir vorbei röhrt, da machen Trommelfell, Sehnerv und Herz schon Freudenhüpfer.
Kann man eigentlich aus jedem Auto so einen Straßenhirsch machen?
Man kann! Und es wird sogar immer beliebter. Nicht nur Männer schuften für Felgen, Blenden und Motoren, auch immer mehr Frauen hat das Tuning - Fieber schon gepackt.
Ist wohl ähnlich wie mit dem Arschgeweih in den 90ern. Eine hat's und die andere muss nachziehen.
Dabei dachte ich immer, dass einzige was Frauen tunen, sind Body und Klamotten. Falsch gedacht!
Sieht man sich auf den Tuning Shows und Treffen um, sind die Männer mit ihren tiefergelegten, verchromten und technisch gestylten Karossen zwar immer noch in massiver Überzahl, doch neben den heißen Werbegirls und Begleitpüppies findet sich auch die eine oder andere, wirklich am Tuning interessierte, Frau mit ihrem Wagen ein. Was mal ganz verschämt mit einer ordentlichen Soundanlage oder neuen Felgen begann, steht heute in den geilsten Lackierungen, verchromt, mit Spoiler und Verbreiterungen vorn, hinten und seitlich bestückt, verkleideter Doppelrohranlage und exentrischen Felgen verschönt neben den männlichen Ausstellungsstücken. Nix da mit Barby-Pink und Blümchenmuster. Knallhart werden Motorleistung und -sound miteinander verglichen, Bodenabstände gemessen und Reifen in Überbreiten bewundert. Da kommt Respekt auf, bei dem was Frau so auf die Breitreifen stellt ... respektive stellen lässt.
Zugegeben, richtige Hardcore Tunerinnen sind noch sehr, sehr selten in den Tuning-Werkstätten und Ausstellungen zu finden. Entschließt sich Frau, ihrem Wägelchen ein Tuning zu gönnen, geht's in erster Linie immer noch ums Outfit, und zwar im tatsächlichen Sinne des Wortes. Lackierungen und schicke Räder stehen ganz oben auf der Wunschliste motorisierter und tuningwilliger Damen. Stimmt's draußen, darf vielleicht auch der Innenraum etwas geschönt werden. Sportlichere Sitze und eine coole Innenverkleidung, natürlich passend zum Außenlack, genügen den meisten schon.
Schneller, tiefer, oder gar lauter muss das Auto gar nicht sein. Schließlich will Frau mit Stil ja stylish auffallen und nicht zu den "PS-Rowdys" gehören.
Wobei sich über Geschmack ja streiten lässt. Nun doch Barby-Pink und Blümchenmuster?
Leider ja. Gott sei Dank übertreiben es nur wenige, die dann aber richtig. Da hört zwar das Trommelfell nicht hin, aber der Sehnerv droht zu platzen und das Herz still zu stehen, wenn der giftgrün mit gelben Punkten lackierte Agila auf der Nachbarspur an der Ampel steht und fröhlich wippende Kunststoffblümchen von der Frontablage rüber winken.